Wie Finanzinstitute unsere Zukunft verzocken – Esther Mitterstieler

22. Juli 2019

Zeit, zu investieren

Extremes Sparen würde eine Rezession fördern – daher ist ein Anschieben der sich belebenden Konjunktur gefragt.

Das Jahr sechs nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers ist angebrochen und lässt noch immer auf einen wirklichen Aufschwung warten.

Mag sein, dass Konjunkturdaten wieder leicht nach oben gehen – die Stimmung ist weiter angespannt. Und man muss an Stephan Schulmeisters Ansagen im WirtschaftsBlatt im Februar 2012 denken: Die Krise sei erst im dritten Akt der Tragödie (von fünf Akten) angekommen. Insgesamt rechnete der Ökonom mit einer siebenjährigen Durststrecke, bis sich das wirtschaftliche Gefüge als Ganzes erholen sollte.

Weniger Konsum. Sieht man sich das Konsumverhalten der Jahre 2008 bis 2013 an, kann man in Österreich zumindest durchatmen: Konkret ließen sich Herr und Frau Österreicher den Konsum von der Krise nicht weiter vermiesen. Wobei sich die Schere zwischen Reich und Arm weiter auftat und einkommensschwache Haushalte sehr wohl weniger konsumierten. Trotz allem: Im Vergleich zu Griechenland ging es uns gut.

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Faymann/Spindelegger das Gegenteil beweisen

Dennoch oder gerade deshalb sollte die Regierung nicht darauf vergessen, dass Wohlstand nur abgesichert werden kann, indem man vorausschaut – etwas, das der Regierung gerne abgesprochen wird. Ein Grund mehr für das Duo Faymann/Spindelegger, das Gegenteil zu beweisen. Nach der katastrophalen Kommunikation rund um das Thema Budgetloch kann der Start ins neue Jahr nicht misslingen. Nun ist jedenfalls fix, dass im Budget Milliarden fehlen und außerdem pro Jahr ein Zinsendienst auf die Staatsschulden von rund acht Milliarden € anfällt – viel Geld, das erst mal aufgetrieben werden muss.

Neue Steuern würgen Vertrauen und Konsum ab, und natürlich muss gespart werden, wo es geht. Nur dürfen die Regierenden nicht vergessen, dass richtig gespart werden muss. Bei den Pensionen lasch zu sein und zu warten, dass sich das effektive Pensionsantrittsalter praktisch von allein erhöht, ist ein falsches Signal.

Denn der Staat braucht das Geld nicht nur, um Budgetlöcher zu stopfen, sondern auch, um in die Zukunft zu investieren. Zukunft bedeutet Bildung, Bildung führt zu Innovation, Innovation zu Wachstum, Wachstum zu Wohlstand – wobei das Wachstum weit geringer ausfallen wird als in den Jahren vor Lehman.

Wenn die Österreicher schon als verkappte Keynesianer gelten, sollten sie sich von Keynes das Beste aussuchen. Denn nur zu sparen würgt die Konjunktur ab und nur Geld auszugeben führt im ersten Schritt zu mehr Wachstum, aber im zweiten zum extremen Sparen (siehe Griechenland) – und langfristig zur Rezession.

Quelle: WirtschaftsBlatt

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